4. Dreigliederung

…des Sozialen Organismus

Was bedeutet Sozialer Organismus? Und was bedeutet in dem Zusammenhang Dreigliederung?

Den Begriff Dreigliederung des Sozialen Organismus hat Rudolf Steiner geprägt zu einer Zeit sozialer Not und Ungerechtigkeit einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, als richtungsweisend hin zu einem gesunden Gesellschaftsgefüge, als heilsamen Weg aus einer kranken und krankmachenden Gesellschaftsform heraus.

Das Hauptwerk dazu ist das Buch: Die Kernpunkte der sozialen Frage. Es gibt aber auch eine Liste mit verschiedenen anderen Literaturhinweisen zu der Thematik. (Siehe Menüpunkt ‘Literatur’)

Meiner Meinung nach ist die soziale Frage immer noch nicht wirklich angegangen, geschweige denn geklärt noch gelöst worden. Daher sehe ich die Beschäftigung mit dem Sozialen Dreigliederungsgedanken als durchaus geeignete Möglichkeit, mal endlich auf andere Gedanken zu kommen, wie ein hilfreicher Weg aussehen kann, der uns aus unserer heutigen Gesellschaftsmisere heraushelfen könnte.

Nun zur Erklärung:
Ich will versuchen, soweit ich es verstanden habe und soweit ich kann, mit meinen eigenen Worten zu erklären.
Es wird jedoch bei weiterem Interesse wahrscheinlich notwendig sein, entsprechende ursprüngliche „Originaltexte“ zu lesen. Dies hier ist zunächst der Versuch einer anfänglichen Erklärung.

Wir Menschen bilden in unserer Gemeinschaft einen sozialen Zusammenhang.
Der soziale Organismus besteht im größten Zusammenhang aus allen Menschen der Welt, im kleinsten Zusammenhang vielleicht aus zwei Menschen, die miteinander leben.
Ein Land, ein Bundesland, eine Stadt, eine Gemeinde sind auch jeweils sich verändernde, wachsende, lebendige Soziale Organismen, deren Organe die Menschen mit ihren Tätigkeiten sind. Jeder Mensch ist sozusagen ein Teil des gesamten Sozialen Organismus und trägt mit seinem Leben und Sein an der Gestaltung des Sozialen Organismus bei.

Dreigliederung des Sozialen Organismus bedeutet, dass innerhalb des Sozialen Organismus drei Glieder unterschieden werden können. In dem Sinne wie es hier verstanden werden soll, wird der Soziale Organismus gegliedert in Wirtschaftsleben, Rechtsleben und Geistesleben.
Diese drei Bereiche sollen keine Macht aufeinander ausüben, sich nicht gegenseitig manipulieren, sondern jeder Bereich soll autonom selbstverwaltet werden, soll auf seinem eigenen Grund wachsen und sich gestalten können, denn jeder der drei Bereiche hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten und seine spezifischen Eigenschaften. Sie können und sollen miteinander in Beziehung treten wie souveräne Staaten miteinander verkehren und auf diese Weise sich gegenseitig helfen und befruchten.

Das Wirtschaftsleben ist nicht auf Profitstreben hin angelegt  (Geld darf nicht die Welt regieren), sondern  ausschließlich auf Warenproduktion, Warenzirkulation und Warenverbrauch. Es wird den Bedürfnissen entsprechend produziert und nur soviel, wie gebraucht wird, so dass kein Warenüberschuss entsteht.

Das Wirtschaftssystem gestaltet sich assoziativ, das heißt, die Betriebe bilden untereinander partnerschaftliche Zusammenschlüsse, sodass ein lebendiges Fließgleichgewicht zwischen ihren Plus- und Minuserträgen hergestellt wird. Die Arbeit oder Arbeitskraft soll keine Ware sein. Ware darf nur das Produkt selber sein. Das Geld soll dabei keinen Selbstzweck haben, sondern als Regulator im Rechtsleben seinen Platz erhalten.

Das Rechtsleben regelt alle Belange zwischen den Menschen, und zwar in menschenwürdigen Verhältnissen. Vereinbarungen, Absprachen und Gesetze kommen aus dem Rechtsleben. Sie sollen den zwei anderen Bereichen Wirtschafts- und Geistesleben dienen, auf menschenwürdige gerechte Art miteinander umzugehen.

Das Geistesleben beinhaltet alles, was mit Schule, Bildung, Forschung, Kultur, Kunst, Weltanschauung, Religion usw. zu tun hat, sozusagen alles, was dem Menschen Impulse zur individuellen Entwicklung geben kann. Natürlich dürfen und sollen die Bereiche auch ineinander greifen. Und sie sollen sich als selbständige Organe des Sozialen Organismus verstehen und gegenseitig anerkennen.
Es soll nämlich vermieden werden, dass, wie es zurzeit der Fall ist, das Wirtschaftsleben durch die völlig falsche Rolle, die das Geld erhält, unrechtmäßige und ungerechtigkeits-fördernde Macht über das Rechtsleben bekommt. Das Rechtsleben darf nicht vom Wirtschaftsleben korrumpiert werden! Das Wirtschaftsleben hat in seiner Machtausübung im Rechtsleben nichts zu suchen!

Das Rechtsleben hat mit den Belangen des Geisteslebens nichts zu tun und es hat z.B. seine Zwangsvorgaben aus Schule und Bildung raus zu lassen.

Das Wirtschaftsleben braucht für sein gesundes Gedeihen innerhalb des Sozialen Organismus die Umsetzung des Prinzips der Brüderlichkeit! Damit alle ausreichend versorgt sind, ist es unerlässlich, zu teilen.

Das Rechtsleben braucht für eine menschenwürdige Rechtsgestaltung das Prinzip der Gleichheit. Jeder Mensch, egal welcher Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, welchen Bildungs-, Berufs- oder Vermögensstandes sei gleich vor dem Gesetz!

Im Geistesleben soll absolute Freiheit herrschen! Jeder Mensch soll in Freiheit seinen individuellen Interessen nachgehen und seine Impulse kreativ ausleben und gestalten können.

Hier wird je eins der drei Ideale der Französischen Revolution jeweils einem Gliede des Sozialen Organismus zugeeignet. Wenn die drei Ideale, gezielt in diesen Zusammenhang eingebettet, den Ort gefunden haben, an dem sie sinnvoll und ihren Eigenschaften entsprechend wirken können, gäbe dies den Menschen die Chance, eine heilsame und gesunde Gesellschaftsform und -bewegung anzustreben, in der jeder individuelle Mensch seinen ihm gemäßen Platz finden könnte und auf freiwilliger Basis seinen Beitrag zum Sozialen Organismus leisten kann.

An dieser Stelle möchte ich die Erklärung -die ja zugleich doch auch eine Stellungnahme meinerseits geworden ist- zunächst abbrechen und verweise  auf gehaltvolle Literatur zum selber lesen und durcharbeiten. (Einiges findet sich unter Menüpunkt ‘Literatur’)

Anja Rupprecht

Mehr dazu bitte im Internet nachlesen z.B. hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Dreigliederung

Powered by WordPress.
Entries and comments feeds. Valid XHTML and CSS. ^Top^